„Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat verboten.“

Bertolt Brecht


Bochum: jährlich 10 Suizidtote durch Hartz IV?

 

 

Bochum: jährlich 10 Suizidtote durch Hartz IV?

 


Das Bochumer Gesundheitsamt hat dieser Tage die Sterbestatistik für 2010 vorgestellt. Auffällig ist die Zunahme der Sterbefälle durch psychische Erkrankungen: 125 waren es, (davon 75 Frauen). Die Anzahl der Suizide wird leider seit Jahren nicht mehr separat erfasst. Hochrechnungen auf Grund von Studien lassen aber eine Anzahl in der Größenordnung von 49 Menschen erwarten, davon 10 Arbeitslose. Der Armutsbericht der Bundesregierung stellte die massiv erhöhte Einnahme von Antidepressiva bei Arbeitslosen fest. In Stadtteilen mit einer höheren Rate an sozialer Benachteiligung ist die Suizidquote deutlich höher. In wie weit andere Todesursachen wie Krebs, Herz-/Kreislauferkrankungen, Übergewicht, Nikotinabusus durch Arbeitslosigkeit und Verarmung gefördert werden ist kaum zu erfassen.

 

Zugegeben: die von mir angegebene Zahl der Hartz IV-bedingten Suizide meint die rein statistisch, aber konservativ (niedrig) ermittelte Größenordnung. Grundlage ist die Anzahl der Sterbefälle in Bochum (4424), davon sind statistisch betrachtet 1,1 % Suizide (ca. 49). Bei Arbeitslosigkeit besteht ein 20fach erhöhtes Suizidrisiko.

 

In Bochum ist mir persönlich kein einziger Fall bekannt, von auswärtigen Fällen ist mir bekannt, dass (bei oftmals belastetem Hindergrund) das Verhalten der Hartz IV-Behörde durchaus Grund und nicht nur Anlass war.

 

Generell ist im Alter und bei Menschen mit geringem Einkommen das Suizidrisiko erhöht.

 

Da nach den Worten der Herrschenden  in den kommenden Jahren der Gürtel (die Schlinge ...) noch enger gezogen werden muss, ist hier massiv Prophylaxe angesagt. Eine Notwendigkeit dabei ist der massive Ausbau Unabhängiger Sozialberatung (erweitert auf alle Bereiche der Sozialgesetzgebung), in Verbindung mit „Sozialen Zentren“ – von mir aus auch mit TAFEL-Ausgabestellen (ohne die Verantwortlichen der Krise aus der Verantwortung und der Verfolgung zu entlassen ...).

 

Gestorbene in NRW nach Todesursachen und Geschlecht (Kreisergebnisse) - 2010

https://webshop.it.nrw.de/download.php?id=17391

 

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Weitere Materialien:

 

Suizide Erwerbslose 20fach

 

Debatte über Hartz IV verletzt arme Menschen

 

01.04.2010 - MAINZ

 

(MH). Die Hartz IV-Debatte verletzt arme Menschen: Das prangert der Verein Armut und Gesundheit in Deutschland an. "Eine respektvolle und differenzierte Diskussion zum Thema Armut, die sich mit den Fakten und Zusammenhängen kompetent auseinander setzt, ist gerade zur Osternzeit dringend geboten", betont Prof. Gerhard Trabert, Vorsitzender des Vereins Armut und Gesundheit in Deutschland mit Sitz in der Barbarossastraße. "Denn immer wieder sind es führende Politiker sowie Wirtschaftsexperten, die falsche, stigmatisierende Statements abgeben, die zu einer weiteren Diskriminierung führen."

 

Wenig Wertschätzung

 

"Mich hat unheimlich schockiert, mit wie wenig Wertschätzung und wie diffamierend man mit diesem Thema umgeht." Ständig werde die Armut individualisiert ("Nach dem Motto, die Betroffenen sind ja selbst schuld"), bagatellisiert und naturalisiert. "Es wird dabei verkannt, dass Armut auch bei uns existenziell bedrohliche Facetten hat", ärgert sich der Chef des 60 Mitglieder zählenden Vereins.

 

Höhere Suizidrate

 

Der Armutsbericht der Bundesregierung stelle die massiv erhöhte Einnahme von Antidepressiva bei Arbeitslosen fest. Zwar stellten "psychische Erkrankungen auch einen Risikofaktor dar im Hinblick darauf, arm zu werden". Noch häufiger aber führe der soziale Abstieg, die Armut zu einer Depression. "In Stadtteilen mit einer höheren Rate an sozialer Benachteiligung ist die Suizidquote deutlich höher", zitiert Trabert das Ergebnis einer Studie. Demnach ist bei Langzeitarbeitslosen die Suizidquote im Vergleich zu Erwerbstätigen 20-mal höher. "So eine Untersuchung, die tendenziell wohl zu ähnlichen Ergebnissen kommen würde, wäre auch für Mainz interessant."

 

http://www.allgemeine-zeitung.de/region/mainz/meldungen/8697567.htm

 

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Der Anlass: Und wieder hat uns einer verlassen

 

@ MÜMMELmann und alle im Forum,

 

41 Jahre, arbeitslos geworden, in Psycho-Reha-Gruppe, doch trotzdem ohne Hoffnung - es bereitete seinem Leben ein Ende! Die Medien werden nicht über ihn berichten, er wird zu den namenlosen gehören, die dieses seelenlose System verschlungen hat. Die anderen Mitglieder der Gruppe sind traurig, wie auch

Galileo

 

http://www.tacheles-sozialhilfe.de/forum/thread.asp?FacId=1399506

 

 

Arbeitslosigkeit und Suizid

 

Die zermürbende Angst der Betroffenen, die Kontrolle über ihr bisheriges Leben zu verlieren, gepaart mit der Hilflosigkeit, einer ungewissen Zukunft ohne Aussicht auf Verbesserung ausgeliefert zu sein, bringt viele Menschen an die Grenzen der Verzweiflung. Angesichts der zunehmenden Perspektivlosigkeit auf dem Arbeitsmarkt sind guter Rat, Trost und positives Denken nicht ausreichend: Die Auswirkungen der Arbeitslosigkeit kann man nicht wie ein gebrochenes Bein oder eine vorübergehende Erkältung kurieren. Es reicht auch bei weitem nicht aus, auf ein verständnisvolles Umfeld zu hoffen oder an einfühlsame Familienmitglieder zu appellieren. Nahe stehende Personen wie auch Freunde und Bekannte sind in der Regel intensiv in den Leidensprozess des Betroffenen integriert. Die oftmals lang anhaltenden Strapazen bringen ebenfalls viele Menschen im nahen Umfeld an ihre Belastungsgrenzen.

 

    Durch die verheerenden Auswirkungen der Arbeitslosigkeit zählen inzwischen Arbeits- bzw. Erwerbslose zu einer suizidgefährdeten Risikogruppe. Über das Tabu Suizid, d.h. die Selbsttötung eines Menschen, kommt der Berichterstattung in den Medien eine besonders sensible Aufgabe zu. Es ist erwiesen, dass eine zu sensationelle Darstellung der jeweiligen Selbsttötung keine abschreckende, sondern eher eine nachahmende Wirkung zur Folge hat. Ein unmittelbarer Anstieg der Selbsttötungen konnte bei spektakulärer Medienaufbereitung nachgewiesen werden. Ein Zusammenhang zwischen Arbeitslosigkeit und Todesursachen wurde bereits in 26 europäischen Ländern wissenschaftlich untersucht. Die Untersuchungsergebnisse der Universität Oxford berichten von einem Anstieg der Selbsttötungsraten bei zunehmender Arbeitslosigkeit (Mehr Selbstmorde in Zeiten von Wirtschaftskrisen). Demnach bewirkte ein Anstieg der Arbeitslosenzahlen um ein Prozent einen Anstieg der Suizidrate um 0,79 Prozent bei erwerbslosen Bürgern unter 65 Jahren. Bei einem Anstieg um drei Prozent wuchs die Zahl der Suizidopfer sogar um 4,5 Prozent!

 

http://heftklammer.wordpress.com/2010/03/01/lesetipp-arbeitslosigkeit-und-suizid/

 

 

 

Umgerechnet sind beruhen 1,1% aller Todesfälle auf einem Suizid. Bei den unter 30-Jährigen ist sogar jeder vierte Tod die Folge eines Suizidversuchs (Fiedler 2007).

 

Bei Arbeitslosen etwa jeder fünfte!

 

 

Bei einem sprunghaften Ansteigen der Arbeitslosigkeit wuchs die Suizidrate gar überproportional: Nahm die Arbeitslosenrate um mehr als drei Prozent zu, so schoss die Zahl der Selbstmorde gleich um 4,5 Prozent in die Höhe. Die Zahl jener, die durch Alkoholmissbrauch ums Leben kamen, stieg in diesem Fall um 28 Prozent. Besonders stark betroffen waren schlecht ausgebildete Menschen.

 

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/493555/index.do

 

In Bert Brechts Film “Kuhle Wampe” begeht ein Arbeitsloser Selbstmord. Er springt aus dem Fenster. Der Erzähler und Sprecher im Film sagt lakonisch: >Wieder ein Arbeitsloser weniger.

 

würden wir hier für jeden, der den Freitot wählte, da er die Schmach und Pein bei Ämtern im Zusammenhang mit den menschenunwürdigen Hartz IV Gesetzen nicht mehr aushielt, ein Kerze anzünden, würde der Platz auf unseren Seiten sicherlich längst nicht mehr ausreichen.

 

Dennoch möchten wir auf diesen Seiten, all derer Gedenken und unsere Mahnwache fortführen, denn es waren oft Freunde und Mitstreiter von uns.

 

Hart ist es, das auch immer wieder Menschen so sanktioniert wurden das sie verhungerten, das verstößt gegen das Menschenrecht und ist für uns alle unfassbar.

 

Wir erinnern an Speyer, dort verhungerte ein 20 jähriger seine Mutter konnte gerade noch gerettet werden...

 

Der jüngste bekannte Fall:

 

Mutter und Kind wohlmöglich durch Hartz IV-Sanktionen gestorben?

Erneute Hartz IV Todesopfer

Todesopfer durch Hartz IV Leistungsentzug

Die Verwaltung soll alle Erkenntnisse über Tod einer Mutter und ihres 2-jährigen Kindes in Burbach offenlegen

07.08.2011

Nachdem einer Mutter aus Saarbrücken und ihrem Kind die Hartz-IV-Leistungen komplett gestrichen wurden, schien sich niemand mehr dafür interessiert zu haben, wie diese Familie ohne Geld für Miete, Heizung, Strom, Lebensmittel und Krankenversicherung überleben konnte. Nur rein zufällig, durch auffälliges Verhalten in der Öffentlichkeit, sei das Jugendamt auf die Frau mit ihrem Kind aufmerksam geworden.

Die Partei "Die Linke" hat eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses beantragt, um die Hintergründe und Umstände um den tragischen Tod einer 36-jährigen Brasilianerin mit ihrem kleinen Kind zu klären. „Wir möchten die Erkenntnisse nicht nur aus den Medien erfahren, sondern umfassend direkt von der Verwaltung informiert werden“, fordert Fraktionsvorsitzender Jürgen Trenz.

Neben der Überprüfung interner Abläufe im Regionalverband, die zurzeit anstünden, müssten aber auch offensichtliche gesetzliche Lücken im Sozialsystem geschlossen werden. Denn wenn einem Hilfebedürftiger seine Hartz-IV-Leistungen aus welchen Gründen auch immer gestrichen würden, falle er nicht in die Sozialhilfe, sondern erst einmal aus dem Hilfesystem heraus. Es fehle an automatisch auffangenden Hilfen und einem Übergangsmanagement von SGB II nach SGB VII (Sozialgesetzbuch), so DIE LINKE. Fraktion.

In Speyer sei 2007 ein 20-jähriger psychisch kranker Mann verhungert, nachdem er das Geld von der damaligen Arge gestrichen bekam. Ähnlich scheine es jetzt der Mutter mit ihrem kleinen Kind in Burbach ergangen zu sein. „Zum ersten Mal ist im Saarland ein Hilfebedürftiger trotz Sozialsystem verstorben und dabei ein Kind möglicherweise verhungert“, erklärt Dagmar Trenz, jugendpolitische Sprecherin der LINKEN. „Jetzt müssten alle hellwach sein und Lehren aus dieser Tragödie ziehen.“ In Speyer z.B. würden mittlerweile Hilfebezieher nach massiven Leistungskürzungen grundsätzlich persönlich aufgesucht.

Da gleich drei Behörden des Regionalverbandes – Jobcenter, Gesundheitsamt, Jugendamt – mit der Frau und ihrer Situation zu tun hatten, sei angesichts des Todes von Mutter und Kind, eine Sondersitzung des Jugendhilfeausschusses mehr als gerechtfertigt. Dort müsse die Rolle der Verwaltung kritisch hinterfragt und das Handeln der Verantwortlichen geprüft werden.

 

 

lesen sie hierzu auch:  

http://www.elo-forum.net/topstory/2011080732190.html

 

 

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